Männer und Frauen

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"Wenn's nicht an dem wäre, daß ich mich in der Gewalt Ihres durchtriebensten Verwandten befinde ..."
Johnnie Bullo im "Königsspiel"
Nicht nur die "männlichen" Protagonisten wissen wie man das Spiel spielt, die Frauen sind darin den Männern ebenbürtig- und manchmal sogar überlegen.
Fra Fillipo Lippi: A man and a woman
Sybilla, Mariotta, Kate, Christian, Gelis, Catherine, Janet interessieren sich nicht nur für die Wirkung von Quinillarinde auf Vorhänge oder die neuesten Marmeladenrezepte. Genaugenommen interessieren sie sich dafür eigentlich überhaupt nicht. Wichtiger als Haushalt und Kinderkriegen, das sie so nebenbei erledigen, sind die politischen Intrigen, die kriegerischen Auseinandersetzungen und die kleinen Geheimnisse ihrer Männer, die sie eigentlich nichts angehen.

Was Janet hinter dem Rücken ihres Mannes ausheckt, was Christian weiß und verschweigt, die Männer kommen zuletzt darauf.
Selbstbewußt stehen die Frauen Dunnetts den Männern gegenüber. Marian führt das Geschäft ihres ersten Mannes nach dessen Tod weiter und vergrößert es sogar.
Gelis fordert Nicolas zu einem Duell um das Bestehen oder den Untergang eines Wirtschaftsimperiums und kämpft dabei um Anerkennung und Gleichberechtigung.

"Über was reden Männer?" fragt Mariotta im "Königsspiel" und beginnt einen fordernden Dialog mit Richard, der fast durch dessen Unverständnis, daß Männer und Frauen gleichberechtigte (Gesprächs-)Partner sein könnten, zum Scheitern der Ehe führt.

Keine einzige von Dunnetts Frauen ist dumm, oder ein typisches Klischee, und wo sie Klischees verwendet, ironisiert sie diese so stark, daß am Ende die Sympathie wieder auf Seiten der Frauen ist.

Agnes Herries, den Kopf voller Ritterromanzen, bekommt was sie sich erträumt, einen romantischen Liebhaber und den Ehemann, den sie sich wünscht. Mag sie am Anfang noch so sehr Karikatur sein, ihr letzter Auftritt im "Königsspiel" zeigt, daß in Agnes mehr steckt als eine dumme romantische Pute.
Vittorio Carpaccio: Lesende Frau
Auch die unerfahrene Catherine, die mit ihrem Liebhaber Pagano Doria nach Trapezunt ausreißt, ist nicht nur ein verwöhntes Kind. Enttäuscht vom wirtschaftlichen Mißerfolg nimmt sie das Geschäft Paganos in die eigenen Hände.

Dunnetts Helden sind geplagt von Neurosen und ihren traumatischen Erlebnissen. Und sie haben komplexe und schwierige Beziehungen zu den Frauen und besonders zu ihren Müttern. Die treibende Kraft in ihrem Leben bleiben die Frauen und Manipulation heißt das Werkzeug, mit dem diese die Männer in den Griff bekommen. Was könnte besser dafür stehen als den dunklen Spaß, den sich Dunnett in den Lymond-Chroniken mit den Lesern erlaubt. Die Dame de Doubtance, nicht nur zufällig die Initialen der Autorin, manipuliert im Hintergrund das Geschick der Familie Crawford wie eine Spinne im Netz. Keiner der Protagonisten entkommt ihren Ränken und am Ende ist sie sogar noch über das Grab hinaus präsent.

"Ich habe kein Kind nur für sich alleine in die Welt gesetzt," sagt Sybilla in "Checkmate" zu ihrem Sohn und zwingt ihn in seine Verantwortung und zurück ins Leben. Und so ist es bei Dunnett. Am Ende brauchen die Männer, allesamt keine Märchenprinzen, die Frauen mehr als die Frauen die Männer. Dunnetts Männer erfüllen fast jeden romantischen Topoi, ihnen geht es um Erbe, Herkunft, Reichtum, Erfolg; Dunnetts Frauen erfüllen keinen einzigen, ihnen geht es um Unabhängigkeit.


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