Re: romanhelden


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Abgeschickt von Martine am 01 Mai, 2002 um 19:42:50:

Antwort auf: romanhelden von amicadd am 30 April, 2002 um 23:34:56:

Liebe(r) Amicadd

Du wolltest wissen:
kann eine romanpersönlichkeit - obgleich sie ja nicht existent ist - dennoch schmerzlich vermisst werden im
adäquaten umfeld?


Zum einen Teil der Frage, denn den andern kann ich nur sehr vage beantworten:

Ja, obwohl sie nicht existent sind, sind Dunnetts Helden für uns schon real.
Ich würde das so beshreiben:
Wenn sich Dunnettleser an einem öffentlichen Ort treffen, - sagen wir mal im Café - und sie reden dort über die Bücher, dann hört sich das für den evtl. mitlauschenden Nebentisch so an, als ob sie über Familenmitglieder und Bekannte reden, oder soll ich sagen herziehen?.

Das geht mir nicht oft so mit Romanfiguren. Dunnett verwendet, um diese Beziehung zu den Figuren herzustellen, natürlich einen Trick. Diese nicht auktoriale Erzählhaltung, die uns das Innenleben er Figuren vorenthält, macht sie für uns zugleich realer, da wir sie so erleben, wie wir andere Menschen in der Realität auch erleben: unmittelbar durch ihr Handeln, ohne das Mithören deren innerer Monologe.

Vermisse ich Dunnetts Helden in der Realität. Nein.
Lymond und ich in einem Zimmer und es würde Blut fließen. Es wäre auch nicht sicher, wessen.
Nicholas und ich in einem Zimmer und ich würde mich zu Tode langweilen, oder mal schauen was er reparieren könnte.
Thorfinn und ich in einem Zimmer und ich würde mich fürchten.
Johnson und ich in einem Zimmer und die Whiskyvorräte gingen zu Ende.

Also vermisse ich keinen, es ist natürlich eine nette Gedankenspielerei, zu überlegen was wäre wenn, aber diese Überlegungen sind eben Spielerei und ich würde mich nie so sehr auf eine erfundene Person kaprizieren, daß ich sie "vermissen" würde. Schließlich hat man sein eigenes Leben und das ist schon kompliziert genug.

Auf der andern Seite, sind diese Bücher für mich immer "wie neu" da die Möglichkeit der Interpretation unendlich ist - und so ihr "Zauber nie verblaßt.. Und ich muß dazu auch gestehen, Game of Kings war für viele Jahre das Buch das mich begleitet hat. Nicht das einzige Buch, aber viel meiner "literarischen" Begleiter, sind inzwischen in die Jahre gekommen, dieser jedoch nicht.

Und nun bin ich auch neugierig.
Dunnettleser oder (noch) nicht?

Martine



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